seit freitag, dem 13. juni 2008 steht nun auch ein spitfire in meiner garage, da bietet es sich doch sehr an, euch an diesem umstand teil haben zu lassen.
wie kam es dazu?
eines kühlen jännertages im jahre 2006 begab ich mich zwecks besuch der vienna autoshow nach wien. ich durfte mein auto in der tiefgarage eines freundes abstellen. und da stand er dann daneben, weiß mit hardtop, sehr dezente staubschicht und auf reifen mit etwas zu wenig druck. zu der zeit wusste ich aber noch nicht, was ich da vor mir hatte, interesse geweckt hatte das gute stück aber allemal. ich recherchierte und fand heraus, dieser spitfire wurde von der mutter eines ehemaligen hausbewohners (starb an krebs) geerbt, sie wollte das auto damals aber aus emotionalen gründen nicht hergeben.
im april dieses jahres bekam ich einen anruf einer wiener anwaltskanzlei, dass der spitfire nun zwangsverkauft wird, und da die dame bei der hausverwaltung sich meine telefonnummer während meiner recherchen 2006 notiert hatte, konnte sie diese an die anwaltskanzlei weitergeben und mich als interessenten nennen. zufälle, wie sie wohl nur das leben schreibt...
eine begutachtung später, mittlerweile hatte ein witzbold "MA48" (bezeichnung für die wiener müllabfuhr) in die etwas dicker gewordene staubschicht auf der motorhaube geschrieben, war dann die entscheidung eigentlich schon gefallen, das gute stück aus seiner misslichen lage zu befreien. die konditionen (relativ guter preis, aber keine schlüssel und kein
typenschein) waren akzeptabel, um nicht zu sagen die widrigen umstände haben mein jagdfieber geweckt, dieser herausforderung muss man ja fast entgegentreten, dieses auto wieder in vollem glanz auf die straße zu bringen. auch wenn es einige zeit dauert.
so brachen dann an diesem freitag, dem 13., 3 herren auf, bewaffnet mit einem toyota rav4 und einem autoanhänger, um den spitfire aus seinem längerjährigen verlies zu befreien und ins schöne salzburger land zu bringen. der tag hatte es in sich, das fahren mit dem 9,70m langen und 2,20m breiten gespann ist an sich schon kein zuckerschlecken für mich ungeübten, in den engen gassen wiens wird es ab und an zur knappen angelegenheit. da der anhänger nicht in die tiefgarage zu bekommen war, musste plan b, auto heraufziehen und oben verladen, in kraft treten. man lernt nie aus, die schmerzhafte lehre an der stelle manifestierte sich in form der lenkradsperre (-> kein schlüssel), mit der ich nachlässigerweise nicht gerechnet hatte. cirka 2 stunden und eine trennscheibe später war auch das zündschloss beiseitegebogen und der schatz konnte gehoben werden. im vergleich dazu verlief der rest der fahrt sehr ereignislos, offensichtliche gunstbekenntnisse überholender autofahrer ("two thumbs up") mal ausgeklammert.
wie ging es dem guten stück dann so?
mal vorneweg, es handelt sich um einen '76er spitfire 1500, weiß aussen, schwarz innen (19/11). vorgeschichte und genauer zustand soweit unbekannt. in den ersten paar wochen durfte ich ihn dann kennen lernen. nach und nach kamen die geheimnisse raus, das erste war das kofferraumschloss, dank der anweisung eines paranoiden arbeitskollegen mit schlossknackkit konnte ich den kofferraum selbst öffnen. leiche gabs keine zu entsorgen...
der tank war mit gut 25 liter auch noch gut gefüllt, ob der stoff aber noch brennt sei dahingestellt. ob das, was sich noch im kupplungsgeberzylinder befand, wirklich mal bremsflüssigkeit war wäre wohl auch für csi von las vegas bis new york nicht einfach festzustellen gewesen sein. erwarteterweise unbrauchbar waren die batterie (von 1998) und die reifen der 13. produktionswoche 1986 (semperit hi-life, damals wirklich noch österreichisches qualitätsprodukt). der innenraum sah auch schon mal besser auch, das stoffverdeck fehlt mitsamt der befestigungsplatten an der b-säule komplett, die entfernung des verdecks düfte nach den rückständen zufolge eher eine nacht- und nebelaktion gewesen sein. den sicherheitsgurten möcht ich im ernstfall auch nicht mehr vertrauen müssen...
aber schluss von den schlechten seiten (die wohl jeder spit hat) zu den guten. das fahrwerk ist noch gut in schuss, die bremsen dürften kurz vor dem abstellen noch erneuert worden sein. nach dem austausch des zündschlosses hab ich mich erdreistet, den motor zu starten, sobald die benzinpumpe überredet war, benzin zu liefern, sprang er auch sofort an. ein paar wochen später waren dann auch die entrosteten felgen mit neuen reifen da und auch die kupplung (inkl. restauration von kupplungs- und bremspedal, den pedal brackets und den cylinder brackets) versah nach etwas "überredungskunst" am nehmerzylinder wieder ihren dienst. so war es dann am 2. september soweit, und der spitfire konnte sich die ersten meter nach seinem winterschlaf aus eigener kraft bewegen.
mittlerweile zeigt der tageskilometerzähler 174, und noch kein ernstzunehmendes technisches problem (anscheinend verstellte vergaser mal ausgenommen). ich kann das auto leider noch nicht anmelden, da aufgrund des fehlens des typenscheins eine vorführung notwendig ist, die prüfer das auto aber sicher nicht zulassen würden weil der linke schweller in der vergangenheit mit einem eingenieteten blech repariert wurde und die vorderen radkästen kleine rostlöcher haben. haben. da es aber auch in österreich überstellungskennzeichen ("blaue taferl") gibt muss ich nicht warten bis das repariert ist, sondern kann auch so die eine oder andere ausfahrt genießen. ich freu mich schon aufs wochenende
im endeffekt werd ich den spitfire komplett restaurieren müssen, "spatenstich" ist für frühling 2010 geplant. bis dahin ist noch eine erweiterung der garage notwendig. wohin bezüglich design der weg führen soll, ich weiß es noch nicht. apropos weiß, ich hab mich mittlerweile fast daran gewöhnt obwohl ich es anfangs nicht ausstehen konnte. das hat sich bei dem schwarzen interieur aber nicht geändert, das kommt sicher raus.
für mich ist das mein erstes oldtimerprojekt, es mögen mich die originalisten unter euch nicht gleich lynchen wenn ich sag originalität steht für mich nicht im vordergrund. ich möchte an diesem auto das handwerk lernen, schrauben, schleifen, schweißen, lackieren, und und und. nicht zu vergessen das verwirklichen meiner eigenen ideen zu dem auto. da kann es dann schon mal passieren, dass nach der restauration ein spitfire in perlmuttweiß dasteht, mit grauem interieur, carbonarmaturenbrett, alubedienelementen, blauem verdeck und blauen akzenten unter der motorhaube.
wie es wirklich wird, wir werden es in einigen jahren sehen...
