Wieder einer weniger

Hier postet bitte alles rein, was nichts mit den anderen Themen zu tun hat.
Hier arbeiten wir auch an unserer Streitkultur, also bitte erstmal die technischen Themen durchschauen und wenn dann immer noch genug Freizeit ist, hier kann es schon interessant werden ... ;-)
Antworten
Benutzeravatar
Andi
Überflieger
Beiträge: 11937
Registriert: 11. Sep 2006, 19:38
Wohnort: Hannover

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von Andi »

In meiner damaligen Tiefgarage hat ein Verbrenner gebrannt.
Wenn ich an den Schaden denke...Auweia.
Was nicht verbrannt ist wurde angeschmolzen oder vom Löschpulver versaut.
Da hab ich gelernt was Löschpulver anrichten kann,dutzende Totalschäden nur durch das Pulver was in verschlossene Fahrzeuge die sonst nichts hatten eingedrungen war.
Also E-Auto denk ich mal richten da noch mehr an.
Die Garage hatte 70 Plätze,entsprechend lang und der Brand war weit vorne.
Trotzdem hats auch die hinten erwischt und mußten mindestends gereinigt werden.
Wer keine Punkte in Flensburg hat hat endweder Glück gehabt oder behindert den fließenden Verkehr.
mpanzi
Überflieger
Beiträge: 1006
Registriert: 15. Mär 2008, 14:07
Wohnort: 88605 Sauldorf

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von mpanzi »

Löschpulver ist eine "böse" Sache. Problem dabei ist hauptsächlich, dass es elektrische Verbindungen schädigt. Bei den modernen Autos mit der ganzen Elektronik ein sehr teurer Spaß - aber billiger als abbrennen lassen. Außerdem ist es klebrig und hält Wasser in den kleinsten Ritzen fest, was natürlich gut für die braune Pest ist.

Ich war 20 Jahre bei der Feuerwehr und lese immer noch Zeitschriften oder Internetberichte. Einfach, weil es mich interessiert.

E-Autos brennen nicht heißer als andere Autos. Das Problem mit dem Feuerwehren zu kämpfen haben ist, dass der Akku eben sehr gut geschützt/eingepackt ist und das Lösch-/Kühlwasser überhaupt nicht da hinkommt, wo es kühlen müsste. Daher braucht man immens viel Wasser. So als hättest Du eine Pfanne auf dem Herd und möchtest die kühlen, aber es ist ein Deckel drauf, der nicht abzunehmen ist. Also musst Du viel Wasser über den Deckel kippen um die Pfanne abzukühlen. Wäre da kein Deckel, wäre das gleich erledigt.

Daher haben manche Hersteller einen Einfüllstutzen für Löschwasser - damit ist es völlig unproblematisch. Und es gibt auch eine neue Löschvorrichtung. Ist im Prinzip eine Lanze, die von unten in den Akku gerammt wird und dann Wasser direkt in den Akku geflutet wird. Auch die Beispiele, in denen E-Autos wochenlang in Wasser gelagert werden müssen, sind eher die Ausnahme.
Benutzeravatar
ThomasE
Über - Member
Beiträge: 729
Registriert: 4. Okt 2021, 14:02
Wohnort: Trebur

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von ThomasE »

Endlich mal jemand mit fundierten Hintergrundwissen, wie es scheint. :top:
Dieser Populismus gegen alles neue, im Moment halt E-Autos, geht zumindest mir tierisch auf den Senkel!
Vor vielen Jahren war es das Fernsehen wo man verblödet, vor ein paar Jahren waren es die Ballerspiele bei denen jeder der sie spielt zum Massenmörder wird...
:Andi:
Lässt sich beliebig fortsetzen!

Und wegen Walter Röhrl, mit Sicherheit einer der besten Autofahrer aller Zeiten.
Aber deshalb muss man nicht seine Meinung teilen.
Hab nach vielen Monden wieder angefangen an alten Autos rum zu schrauben.
mpanzi
Überflieger
Beiträge: 1006
Registriert: 15. Mär 2008, 14:07
Wohnort: 88605 Sauldorf

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von mpanzi »

Jogi, HB hat geschrieben: 10. Apr 2023, 12:34 vielleicht liegt das daran, dass die Garage direkt unter dem Wohnobjekt ist.
Draußen gibt es sogar Ladestationen. aber nicht unter dem Wohnobjekt.
Oh, das hatte ich ganz übersehen.

Nein, kann damit nichts zu tun haben. Es gibt keine Einschränkungen für E-Autos in Tiefgaragen. Anders als z.B. für wasserstoff- oder gasbetriebene Fahrzeuge.

Es würde auch keinen Sinn machen. Die Auswirkungen sind nicht schlimmer, als als ein brennender Benziner oder Diesel - das kannst Du in allen Feuerwehrmagazinen, Versicherungseinstufungen oder Automagazinen nachlesen. Und dazu ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein EV brennt um ein Vielfaches geringer. Pro 100.000 Fahrzeugen brennen: 3.500 Hybride, 1.500 Verbrenner und ... Trommelwirbel ... 25 EVs (nein, ich habe keine Null vergessen).
mpanzi
Überflieger
Beiträge: 1006
Registriert: 15. Mär 2008, 14:07
Wohnort: 88605 Sauldorf

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von mpanzi »

ThomasE hat geschrieben: 10. Apr 2023, 15:40 Endlich mal jemand mit fundierten Hintergrundwissen, wie es scheint. :top:
Danke für die Blumen. Ja, ich hab mich da intensiv mit beschäftigt. Ich muss gestehen, dass ich lange Zeit ähnlich gedacht habe. Mein ganzes "Wissen" baute auf reißerischen Zeitungsberichten und in Foren für BMW auf. Eigentlich nicht typisch für mich, weil ich erstmal alles in Zweifel ziehe. Aber die Informationen waren so umfassend gleich, dass das für mich gar nicht falsch sein konnte.

Anfang letztes Jahr hat sich mein Sohn dann ein Tesla Model3 bestellt und ich gleich: "Wie blöd kann man sein? E-Auto völlig unsinnig, taugt nix, wo willste laden, wie lange willst Du für eine Fahrt nach München oder Mannheim brauchen ... blablabla". Zum Glück pflegen wir in unserer Familie die Einstellung, dass jede Meinung wert ist gehört zu werden. Also habe ich mir von meinem Sohn mal erklären lassen was er denkt/recherchiert hat. War nicht sofort von mir zu widerlegen - auch wenn ich es in diesem Moment gerne getan hätte, schließlich habe ich Recht.

Also habe ich mich selbst viel umfassender damit beschäftigt und ... mal in E-Auto-Foren mitgelesen. Und was soll ich sagen - ein paar Wochen später habe ich den Kaufvertrag für den Ioniq 5 unterschrieben. Habe ihn seit Dezember über 6.000 km gefahren und muss sagen, dass das die beste Entscheidung war, die ich autotechnisch seit Langem gefällt habe. Alle, wirklich alle Vorurteile zeigten sich als völlig haltlos.

Ich muss dazu sagen: In meinem Fall. Ich will hier niemanden zum EV überzeugen. Ich möchte nur aufmerksam machen, dass man vielleicht mal drüber nachdenkt oder informiert, ob es nicht etwas für einen selbst wäre - einfach nur offen sein.

Aber ansonsten ist ein EV eine sehr individuelle Sache, viel individueller als Benzin oder Diesel. Hier geht es ja nur darum, wie ich am meisten Geld spare. Von den Fahrleistungen sind die ja ähnlich. Aber der falsche EV ist eine echte Katastrophe. Nehmen wir einen Dacia Spring. Kostet 22.000 Euro Listenpreis - mit Prämie konnte man den für 14.000 Euro kaufen. Ist ein "echtes" EV. Aber damit in Urlaub geht nicht. Der lädt nur mit 7,4 kwh oder ich kaufe für viel Geld die Option 11-kwh-laden dazu. Er verbraucht 15 kwh auf 100 km. Also muss der für 100 km Fahrt mind. 1,5 h laden. Da zieht sich die Fahrt nach Südfrankreich. Wenn ich pro Tag aber nicht mehr als 200 km fahre (so groß ist der Akku in etwa), dann reicht der. Dann kann man den Tag über fahren und über Nacht hängt der dann am Strom.

Aber das muss ich wissen. Leider erzählen die Autohersteller das oft nicht. Ein Dacia Spring ist - für mich - ein reines Stadt-Auto. Da kann der echt gut sein und ist "billig". Weiß ich das nicht, dann bin ich unzufrieden, weil ich bei jeder längeren Fahrt stundenlang warten muss. Wenn ich mich für das Auto entscheide, dann muss ich damit leben, wenn ich mal längere Strecken damit fahren muss.

Will ich längere Strecken fahren, dann brauche ich ein anderes EV. Eines, mit großem Akku und schneller Ladekurve. Die max. Ladeleistung ist auch interessant, aber nicht so wichtig. Das kostet eben mehr, klar. Und da ist TESLA preis-leistungsmäßig praktisch nicht zu schlagen. TESLA ist kein hochwertiges Auto, auch wenn das viele meinen. Mal die Reichweite, Fahrleistungen und Ladekurve von einem TESLA Model 3 nehmen und vergleichen. Für die 44.000 die ein Model 3 kostet, gibts nichts, was auch nur annähernd dran kommt. Problem: Das Auto ist hässlich, wäre überhaupt nichts für mich. Daher habe ich mich für den Ioniq 5 entschieden.

Wer viel mit schweren Anhängern/Wohnwagen fährt oder gerne weite Strecken mit 180 über die BAB brettert, für den ist ein EV nix. Hier am Bodensee nicht zu Hause laden zu können wäre z.B. ein KO-Kriterium. Dafür fahre ich zuviel und die hiesigen Ladesäulen sind nur schwach und keine in der Nähe zu meinem Wohnort - da müsste ich ein- bis zweimal die Woche für ein paar Stunden irgendwo warten. Das ginge nicht. Mit einem HPC-Lader (gibt es überall an Autobahnen) lade ich aber 300 km in unter 20 Minuten. Alle drei Stunden 20 Minuten Pause machen ist mir jetzt nicht soooo fremd. Also wäre auch die Fahrt in den Urlaub kein Unterschied zu vorher. Man muss eben (noch) schauen, wo man Pause macht, weil nicht jede Tankstelle HPC-Lader hat. Aber es ist auch kein Problem einen zu finden, auch nicht spontan während der Fahrt.

Aber so im normalen Leben spare ich sehr viel Zeit. Ich kann jeden Tag locker 350 km fahren (jetzt im Winter - im Sommer sind 450) und stecke über Nacht an den Strom. Am nächsten Tag kann ich wieder 350 km fahren und habe 10 Sekunden Zeit für das anstöpseln gebraucht. Mit dem Diesel wäre ich da jeden zweiten Tag an der Tanke - jedes Mal 5 - 10 Minuten.

Auch bei Ausflügen: Man muss momentan noch etwas planen. War vor ein paar Wochen mal wieder in Mannheim, habe ein anderes Parkhaus als sonst gewählt, weil dort Lademöglichkeiten sind. Ins Parkhaus, angestöpselt, auf den Markt gegangen, in der Stadt gebummelt, Mittag gegessen - wie sonst auch und es war genug Saft im Akku für die Heimfahrt. Zeitverlust: 1 Minute fürs Einbuchen, Kosten ca. 45 Euro für Hin- und Rückfahrt (ca. 500 km). Beim X3 wären das 64 Euro gewesen (bei 1,70 Euro für den Liter Diesel, was ja eher günstig ist).

Insofern einfach offen Neuem gegenüber sein. Muss ja nicht das Richtige für einen sein, aber alles verteufeln finde ich einfach nicht gut. Und an die Emotionen bei der Fahrt mit dem Spiti kommt kaum ein anderes Auto ran - schon gar kein Neues (welches ich mir leisten könnte).
Benutzeravatar
Dani Senn
Überflieger
Beiträge: 4649
Registriert: 5. Sep 2006, 20:41
Wohnort: CH5040 Schöftland

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von Dani Senn »

Meine ganze Verwandtschaft fährt E Autos und sind jedes mal froh wenn sie ihre Boote, Wohnwagen oder Oldtimer Transportieren müssen, dass sie bei mir meinen Jeep Benziner mit jeder Menge anhängelast ausleihen können. Habe bis jetzt noch keinen Strohmer gefunden der min, 2 To. Anhängelast hat. hab mich letzthin mit einem Ford Kuga 2,5 Hybrid angefreundet, bis ich merkte 1200 KG gebremst. Der gleichwertige Diesel hat 2100 Kg. Solange ich in meiner Freizeit mit Hänger unterwegs bin wird Verbrenner gefahren.
Bodeblääch Dänu
Benutzeravatar
Rolf
Überflieger
Beiträge: 6486
Registriert: 14. Sep 2006, 19:04
Wohnort: Oldenburg / Ammerland

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von Rolf »

:lol: :top:
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
BMW 328 Ci (2000) - Suzuki SV 1000 S (2004) - Triumph Spitfire 1500 (1975) - Yamaha SRX 600 (1988) - Yamaha XJ 900 N (1986)
Benutzeravatar
Andi
Überflieger
Beiträge: 11937
Registriert: 11. Sep 2006, 19:38
Wohnort: Hannover

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von Andi »

Ich halte E-Autos in der Menge wie geplant für Schwachsinnig und den Umweltgedanken dahinter für blanken Unsinn.
Kann aber jeder gern ein E-Auto fahren.
Nur ich will es mir nicht aufzwingen lassen und schon gar nicht mit dermaßen blöden Argumenten.
Baut eine Käseglocke über Deutschland oder Europa und schafft die ganzen anderen Verschmutzer ab und ich mach mit.
Wer keine Punkte in Flensburg hat hat endweder Glück gehabt oder behindert den fließenden Verkehr.
Benutzeravatar
dyngo
Überflieger
Beiträge: 2408
Registriert: 21. Jan 2011, 17:16

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von dyngo »

Fahre meine 50 jahre alte Range Rover(s) immer mit ein 'smile'.
Fährt auf LPG günstiger als meiner spitfire, darf 3500 kg trailer mitnehmen, keine kosten ausser versicherung (60 euro/jahr).
Mein liebster kommt aus der Schweiz, hat ein 4,6 liter eingebaut, damit bemerkt mann das anhänger gar nicht.
Habe das ding schon 20 jahre, und vielen sollen noch kommen.
Also sehr umweltfreundlich, das auto ist fürs leben.
Keine umweltschäden mit selte erden, kein beitrage zu noch mehr electroschrot (10 jahre für die batterie ?)
Big smile
Benutzeravatar
marc
Überflieger
Beiträge: 4362
Registriert: 11. Sep 2006, 14:35
Wohnort: Kassel, Walterschen

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von marc »

Was ist ein EV?
Viele Grüße
Marc

Bild
Benutzeravatar
Rolf
Überflieger
Beiträge: 6486
Registriert: 14. Sep 2006, 19:04
Wohnort: Oldenburg / Ammerland

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von Rolf »

marc hat geschrieben: 10. Apr 2023, 22:05Was ist ein EV?
Gute Frage! Diese Abkürzung sagt mir auch nichts. Noch nie gehört oder gelesen. Laut WIKIPEDIA heißt EV unter anderem "Ersatzverkehr". Das kann ja eigentlich nichts Gutes sein...

Ansonsten stimme ich den o.a. Beiträgen von Andi und Cai voll zu.

Und um noch mal auf Walter Röhrl zurückzukommen: Er hat in einem Interview die Fahrer/Käufer von TESLA-Fahrzeugen sinngemäß mal als "eine Sekte weltfremder Spinner" bezeichnet. Walter, du hast zu 100 Prozent Recht! :top:

Grüße
Rolf
BMW 328 Ci (2000) - Suzuki SV 1000 S (2004) - Triumph Spitfire 1500 (1975) - Yamaha SRX 600 (1988) - Yamaha XJ 900 N (1986)
mpanzi
Überflieger
Beiträge: 1006
Registriert: 15. Mär 2008, 14:07
Wohnort: 88605 Sauldorf

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von mpanzi »

Dani Senn hat geschrieben: 10. Apr 2023, 17:20 Meine ganze Verwandtschaft fährt E Autos und sind jedes mal froh wenn sie ihre Boote, Wohnwagen oder Oldtimer Transportieren müssen, dass sie bei mir meinen Jeep Benziner mit jeder Menge anhängelast ausleihen können. Habe bis jetzt noch keinen Strohmer gefunden der min, 2 To. Anhängelast hat. hab mich letzthin mit einem Ford Kuga 2,5 Hybrid angefreundet, bis ich merkte 1200 KG gebremst. Der gleichwertige Diesel hat 2100 Kg. Solange ich in meiner Freizeit mit Hänger unterwegs bin wird Verbrenner gefahren.
Gibts schon: https://www.elektroauto-news.net/elektr ... haengelast

Allerdings - und das schrieb ich ja oben schon - ist das nicht der Brüller. Wenn ich einen Wohnwagen hätte, hätte ich kein E-Auto. Die Reichweite ist so stark eingeschränkt und fürs Laden muss jedes Mal der Wohnwagen abgekuppelt und irgendwo geparkt werden - das wäre nichts für mich. Mein Ioniq5 darf 1600 kg und ich habe einen kleinen Baumarkt-Anhänger. Da merkt man nix. Anhänger - auch schwerere - für kürzere Strecken ziehen sehe ich allerdings unproblematisch. Ein Boot von mir zu Hause zum Bodensee ziehen (ca. 20 km) wäre jetzt kein Thema. Aber sobald es darum geht weite Strecken mit schwerem Anhänger (Autos, Boote Wohnwagen oder so) - dann ist ein EV (Electric Vehicel) meiner Meinung nach die falsche Wahl.
Benutzeravatar
marc
Überflieger
Beiträge: 4362
Registriert: 11. Sep 2006, 14:35
Wohnort: Kassel, Walterschen

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von marc »

Die heißen eigentlich BEV (Battery Electric Vehicle).
Viele Grüße
Marc

Bild
mpanzi
Überflieger
Beiträge: 1006
Registriert: 15. Mär 2008, 14:07
Wohnort: 88605 Sauldorf

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von mpanzi »

Andi hat geschrieben: 10. Apr 2023, 20:05 Ich halte E-Autos in der Menge wie geplant für Schwachsinnig und den Umweltgedanken dahinter für blanken Unsinn.
Kann aber jeder gern ein E-Auto fahren.
Nur ich will es mir nicht aufzwingen lassen und schon gar nicht mit dermaßen blöden Argumenten.
Baut eine Käseglocke über Deutschland oder Europa und schafft die ganzen anderen Verschmutzer ab und ich mach mit.
Inwiefern ist der Umweltgedanke Unsinn? Auch hier denke ich, sind die Informationen einfach nicht aktuell. So war z.B. Harald Lesch (bekannter Physiker) vor einigen Jahren noch total gegen E-Mobilität und hat mittlerweile seine Meinung geändert (z.B. https://www.youtube.com/watch?v=OtnHAn32Ybc).

Und ja, früher waren E-Autos eigentlich noch völlig unsinnig. Die Akkus waren Sondermüll, die Reichweite eine Katastrophe und eben alles noch mehr Experiment als Real. Aber hätte es niemand angefangen, gäbe es auch keinen Fortschritt. Vor einigen Jahren war es ja noch so, dass ein E-Auto so einen CO2-Rucksack (CO2-Ausstoß bei der Produktion ist höher als beim Verbrenner) hatte, dass sich ein E-Auto erst nach 150.000 Kilometern "amortisierte" und der Akku planmäßig nach 8 Jahren kaputt ist. Und da niemand 150.000 Kilometer in 8 Jahren fährt, lohnt sich ein E-Auto nie. So war die Argumentation. Heute ist das aber schon sehr viel früher. Und 8 Jahre alte Akkus sind selten kaputt. Und außerdem gibt es mittlerweile Firmen, die defekte Zellen finden und tauschen können - kostet in etwa soviel wie z.B eine neue Zylinderkopfdichtung.

Was hört/liest man nicht alles (und wie gesagt - vor einem Jahr war ich auch nicht anders) ...

... die armen Kinder, die die Rohstoffe unter unwürdigen und umweltschädlichen Umständen aus der Erde holen. Ja, stimmt tatsächlich. Aber jeder, der Handys, Laptop, akkubetriebene Werkzeuge, elektrische Zahnbürsten oder andere Dinge mit Akku benutzt oder seiner Frau/Freundin Goldschmuck oder Diamanten kauft, kümmert sich da in Wirklichkeit einen Sch... drum. Nur beim Auto wird diese Argumentation gerne genommen und dabei braucht das Auto nur einen Teil dieser Ressourcen. Und die werden sogar recycled. Und nicht, weil man dazu verpflichtet ist, sondern, weil es sich lohnt. Während Akkus von kleinen Geräten oft im Müll landen und nicht nur nicht recycled werden, sondern auch noch die Umwelt verpesten.

... der Strom muss ja auch produziert werden. Stimmt. Aber von 100 kwh produziertem Strom werden 70 kwh in Bewegung umgesetzt. Beim Diesel sind es ca. 30 kwh und beim Benziner noch weniger.

Und E-Autos können auch das Stromproblem lösen (helfen). Was ist denn das Hauptproblem? Tagsüber gibt es massenhaft Strom, aber wie speichert man den für die Nacht. Autos parken oft über Nacht und stehen nur rum. Deren Akkus könnten als Energiespeicher genutzt werden. Stichwort, wer googlen möchte: Vehicel-to-grid. Kurzform: Kaum jemand braucht die volle Akkukapazität (ich lade z.B. grundsätzlich nur bis 80%, würden wohl sogar 60% reichen). Jetzt sage ich meinem Auto: Ich will 80% im Akku haben. Die Ladesäule lädt aber auf 100% (wenn genügend Strom produziert wird). Wird Strom gebraucht, darf sich das Netz die 20% wieder aus meinem Akku holen. Ist im Moment noch Zukunft, weil die aktuellen Akku-Technologien dafür nicht ideal sind, aber dieses Jahr sollen Natrium-Ionen- und Natrium-Schwefel-Akkus serienreif werden. Damit gibt es weder ein Rohstoffproblem (Salz und Schwefel gibt es massenhaft und überall) und auch die Gewinnung ist unproblematisch - und die Brandgefahr sinkt noch weiter.

Das Hauptproblem bei diesen Akkus ist nicht die Technik, sondern die Energiedichte, weil ja jeder jeden Tag 1.000 km am Stück zur Arbeit fährt - und abends wieder 1.000 km nach Hause. Würden die jetzt Autos rausbringen, die nur 300 km oder weniger am Stück schaffen, gäbe das wieder einen Shitstorm. Aber wie war das nochmal - die gleichen Leute, die das bringen, argumentieren doch gleichzeitig damit, dass man keine 150.000 km in 8 Jahren fährt - wie geht das denn zusammen?

... übrigens sind die Förderer und Raffinierer von Rohöl auch keine Menschen- und Umweltfreunde. Und auch die Herstellung und Verteilung von Diesel und Benzin verbraucht nicht wenig Strom.

... will nicht gezwungen werden. Wurde bei der Einführung von Katalysatoren und bleifreiem Sprit auch gesagt. Das Problem ist eben, dass das verbrennen von fossilien Brennstoffen sehr schlecht für unsere Welt ist. Und wenn der Strom aus Kohlekraftwerken kommt, ist das natürlich nur suboptimal. Wobei man in dem Fall natürlich die Schadstoffe gleich wegfiltern kann, weil es ja nur eine Quelle gibt, bei der es auch nicht auf Platz/Gewicht ankommt. Sprich: Ein Kohlekraftwerk erzeugt bei 1.000.000 kwh weniger Emissionen als 1.000 Autos, die jeweils 1.000 kwh erzeugen.

Viele dieser Gegenargumente sind einfach nicht mehr richtig - oder waren es nie. Es gibt meiner Meinung nach kaum echte Gegenargumente. Es gibt persönliche, wie z.B. Laternenparker oder Viel-Wohnwagenfahrer. Hier sehe ich das tatsächlich auch noch schwierig - nicht unmöglich, aber das wäre auch meine Lästigkeitsschwelle. Aber auch das wird sich verbessern.

Auch die Preise für E-Autos sind nicht mehr deutlich teurer, wenn überhaupt. Je billiger das Auto, desto teurer ist die E-Variante und je teurer das Auto, desto weniger Unterschied. Ein BMW IX3 kostet im Prinzip das gleiche wie der X3. Jetzt schauen bestimmt einige nach den Einstiegspreisen und stellen fest - stimmt nicht. Der Punkt ist, dass die E-Varianten momentan nur in den hohen Ausstattungsvarianten angeboten werden. Wenn ich den Benziner/Diesel so konfiguriere (Leistung, Ausstattung), dass ich ein vergleichbares Auto habe, dann ist der elektrische billiger - selbst ohne Prämie. Und dann haben die eigentlich immer noch Funktionen, die man beim Verbrenner gar nicht kaufen kann. Standheizung vielleicht noch, Standklima ist schon selten - haben aber praktisch alle E-Autos.

Und der Unterhalt ist auch noch dramatisch billiger. Selbst wenn der Strompreis so hoch wäre, dass ich da nichts spare, gibt es weniger Reparaturen, weniger Kosten für Wartung/Inspektion und der gleichen. Selbst bei Dingen, die ich zunächst nicht dazugerechnet hätte. Viele EVs fallen z.B. beim ersten TÜV durch - wegen der Bremsen. Die sind verrostet, weil sie nicht benutzt werden. Einige Hersteller haben mittlerweile extra Systeme, die die Bremse alle paar hundert Kilometer mal betätigen, damit das verhindert wird. Ansonsten muss man das manuell machen. Es gibt einen ModelS-Fahrer (ist aber ein Ausnahmefall, der legt es drauf an und fährt wohl nicht wirklich "normal") der hat nach 900.000 km das erste Mal die Bremsen erneuert (https://www.youtube.com/watch?v=X-2u2ZusY4s&t=904s - ca. bei 7:20). Ansonsten gibts auch Tests, bei denen z.B. ein Pass runtergefahren wird und unten angekommen, die Bremse komplett kalt, also unbenutzt ist (z.B. https://www.youtube.com/watch?v=ddVjP91zbZw&t=1474s).

Ich hab ne alte Bohrmaschine - hab ich zur Konfirmation bekommen (schon ne Weile her). Die benutze ich nur noch selten, weil keine Elektronik zum Drehzahlregeln, ist aber meine schnellstdrehende, hab sonst einen Bohrhammer. Die funktioniert immer noch. Ein E-Motor geht nur selten kaputt. Den kann ich jahrelang liegen lassen und dann aus dem Stand mit voller Last laufen lassen - macht dem gar nix. Wenn ein Triumph mal ein paar Monate oder gar Jahre steht, braucht es eine Prozedur um den wieder zu starten und bloß nicht kalt hochdrehen. Oder Diesel und Kurzstrecken ... Für ein E-Auto völlig wurscht wie kurz die Strecke ist.

Ich kann für meinen Teil nicht mehr nachvollziehen, warum viele so verbissen am Verbrenner hängen. Ich kann verstehen, wenn jemand sagt, dass es zu teuer ist. Gibt eben (noch) wenig Gebrauchte und Neuwagen sind immer teuer. Vollstes Verständnis. Aber dann die E-Autos schlecht machen ... warum? Und wenn 2035 Verbrenner tatsächlich verboten werden, dann betrifft das nur Neuwagen-Käufer. Einen gebrauchten Verbrenner kann man dann immer noch kaufen.

Ich fahre den Spitfire sehr gerne. Mit offenem Verdeck, lauter Musik und Sound vom Auspuff, alles vibriert und "lebt" - das hat wirklich was. Aber der Golf IV meiner Frau und auch der X3 haben damit nichts zu tun. Für den Alltag werde ich nicht mehr zum Verbrenner wechseln.
Benutzeravatar
Diavolo99
Überflieger
Beiträge: 2106
Registriert: 3. Mai 2013, 14:31
Wohnort: Lkr. Ravensburg
Kontaktdaten:

Re: Wieder einer weniger

Beitrag von Diavolo99 »

Hey mpanzi,

ein echt guter Beitrag - vielen Dank dafür.
Ich muss sagen, dass ich aktuell auch noch nicht restlos überzeugt von der E-Mobilität bin, aber dein Beitrag auf jeden Fall das Verständnis erhöht hat und einen zum Denken anregt - im Prinzip wie bei dir und deinem Sohn :wink:

Bei mir persönlich hat der Alltags-Verbrenner mittlerweile auch über 300.000km, das heißt, früher oder später wird was Neues her müssen. Mein Problem ist jetzt aber, dass ich niemals einen Neuwagen kaufen werde, weil mir der Wertverlust am Anfang einfach zu hoch ist. Zudem keinen E-Neuwagen, weil mir das Vertrauen fehlt, wie gut der Akku in 10 Jahren noch ist und wie sich Gebrauchtwagenpreise im E-Bereich entwickeln werden. Das wiederum ist auch der Grund, weshalb ich vorm gebrauchten EV zurückschrecke. Demnach werde ich mir vermutlich irgend ne gebrauchte Verbrenner-Schüssel holen um die nächsten ~5 Jahre zu überbrücken. Dann wird man beim EV vielleicht noch klarer sehen, wo die Reise hingeht bzw. wie sich ein Gebrauchtwagenmarkt entwickelt und die Situation mit den Akkus tatsächlich aussieht. Alternativ wäre noch E-Auto-Leasing eine Option - allerdings auch nicht mehr so günstig und ich scheue davor zurück, ein Auto zu fahren das mir nicht gehört, um dann bei der Rückgabe über irgendwelche Kratzer zu streiten... :happywink:

Interessantes Thema :happywink:

Gruß Daniel
Wenn ein Mann einer Frau die Autotür aufhält, ist entweder das Auto oder die Frau neu! - http://www.spitfire-gt6.de
!Bitte nicht von der Anzahl der Beiträge täuschen lassen - hier ist ein Anfänger am Werk! :)
Antworten