Die E-Mobilität alleine wird das Klimaproblem nicht rausreissen können - schon gar nicht nur in Deutschland oder Europa. Wobei D ist auf Rang 7 der CO2-Ausstoßer - für so ein kleines Land "nicht schlecht" (oder doch). China und USA liegen weit vorne, dann kommt lange nichts und dann kommt das Verfolgerfeld mit D. Die G20 verursachen mehr als 80 % des CO2. Also macht es durchaus was aus, wenn in D was passiert. Und China und die USA machen auch große Anstrengungen - sollte man nicht übersehen, haben eben noch später angefangen, als wir.
Es ist mehr die Frage eines umfassenden Konzepts.
Das mit den AKWs ist so eine Sache. Lassen wir die Endlagerfrage mal weg. Wie lange dauert es denn, bis so ein Teil Strom liefert? Jahrzehnte! Bis dahin ist der Drops gelutscht. Das ist so wie die Meldung, dass die Bahn zukünftig pünktlich sein will - ab 2070 (das ist kein Scherz, wer das noch nicht mitbekommen hat) - also ich werde das wohl nicht mehr erleben.
Dazu kommt noch, dass auch Uran nicht unendlich verfügbar ist. Jetzt gibt es sogar Greenpeace-Sprecher, die für Kernkraft mit Thorium-Reaktoren werben um die gesamten fossilen Brennstoffe in Kraftwerken weltweit zu ersetzen. Das ist völlig sinnlos. Momentan kommt ca. 80% des Stroms weltweit aus Kohlekraftwerken. Nur ein Bruchteil davon ist Kernkraft (5 % oder so). Um die Kohlekraftwerke zu ersetzen müssten also 16x soviele AKWs gebaut werden, wie es jetzt gibt und es würde auch 16x mehr Atommüll anfallen.
Würde man die Milliarden, die für AKWs rausgehauen werden, für Solaranlagen und Windkraft (wobei ich Windräder auch nicht so dolle finde) und Speichermöglichkeiten investieren, wäre das nicht teurer, nachhaltiger und hätte keine Nachteile. Alle Dächer und ohnehin schon bebauten Flächen (Parkplätze, manche Straßen usw.) mit Solarpanels belegt. Stört keinen und nimmt keinen zusätzlichen Platz weg. Der, dem die Fläche gehört muss natürlich auch was dran verdienen - keine Frage, soll niemand für umme was hergeben. Ich hätte sofort so ein Ding auf dem Dach. Hab schon gefragt - 35.000 Euro für 10 kwp mit Speicher. Platz hätte ich für über 30 kwp. Aber lohnt sich nicht. In spät. 10 Jahren gehe ich in Rente und werde keine 2.000 m² Garten pflegen wollen und in eine Wohnung ziehen. Bis dahin hat sich das nicht amortisiert und insofern werde ich das nicht installieren, hätte ich die Kohle rumliegen, vielleicht - aber ich müsste finanzieren und dann kostet das Teil 45.000. Würde der Staat sagen - wir bauen das Teil aufs Dach und einen entsprechenden Speicher, kostet Dich nichts, Du darfst Strom bis zu einer Menge X kostenlos nutzen, alles andere speisen wir ins Netz. Brauchst Du weniger bekommst Du dafür X Euro für die kwh. Die dürften sofort kommen.
Ob man jetzt die drei AKWs in D abschaltet - tja, gute Frage. Im Detail fehlt mir der Hintergrund. Strom scheint nicht das große Problem zu sein, war es eben kurzfristig, weil Europa und Deutschland sich zu sehr von Russland abhängig gemacht hat. Hoffentlich haben die jetzt alle gelernt und machen weniger einseitige Abhängigkeiten, sondern splitten ein bisschen mehr. Wird dann vielleicht etwas teurer, als wenn man nur den billigsten Anbieter nimmt, aber ausgeglichener. Auf jeden Fall ist Atomstrom der teuerste Strom, den man haben kann. Tendenz steigend. Momentan nur kurzfristig abgelöst durch das teuer eingekaufte Gas, aber der Gaspreis ist ja jetzt schon wieder unter dem Niveau von 2/2022. Und in D zahlt man ja den Strompreis, den die teuerste Produktion berechnet - egal, wie deren Anteil ist. Wenn also AKWs bereit gehalten werden, zahlen wir den Preis, den AKW-Strom kostet - auch wenn gar keiner produziert wird, alleine dafür, dass er gebraucht werden KÖNNTE. Hört sich auf den ersten Moment doof an, macht aber auch wiederrum Sinn, schließlich muss er bereitstehen.
Die Gesamtsumme des Stroms den D verbraucht könnten wir mit Solarenergie in D selbst erzeugen, wenn man alle/viele Flächen (schon versiegelte) nutzen würde. Problem dabei ist die Verfügbarkeit. Nutzt ja nix, wenn ich tagsüber soviel Strom habe, dass ich nicht weiß wohin damit, aber nachts im Dunkeln sitzen muss. Und nur dafür sollen die AKWs vorgehalten werden. Da kämen dann solche Dinge wie Vehicel-to-Grid ins Spiel. Wenn ich einen 10kw-Speicher im Haus haben will, kostet der tausende Euros und nimmt Platz weg (nicht viel, etwa wie ein Kühlschrank, aber trotzdem). Wenn ich 20% meines Ioniq5 nutzen würde, wären das über 15 kw Speicher - ohne Extrakosten und zusätzlichen Material-Einsatz. Und Einbußen in meiner normalen Fahrstrecke hätte ich auch nicht. Auf alle Autos umgelegt - es stehen immer genügend Autos rum, die als Speicher genutzt werden könnten - wäre das eine große Hilfe. So steht das Potential ungenutzt rum.
Wir haben noch nicht die Infrastruktur und die momentane Akku-Technik ist nicht ideal dafür (Stichwort Ladezyklen, LiIon-Akkus sollten nicht dauerhaft mit 100% geladen sein ... - altern schneller). Aber statt Aber-Milliarden in AKWs zu investieren, wäre das möglicherweise eine bessere und langfristigere Lösung und schneller als ein neues AKW sicher auch. Man könnte den vom Auto gelieferten Strom ja so bezahlen, dass der Wertverlust des Akkus mit abgedeckt ist und schon wäre dieser Teil erledigt. Damit wäre Verkehr (priv. PKW), Haushalte und Industrie viel umweltfreundlicher - das wären mit Sicherheit über 50% des CO2. Große LKW gibt es auch schon elektrisch, ist aber wohl (noch) eher was für Vorreiter/Enthusiasten. Die ganzen Kurzstrecken-Lieferungen (DHL, Amazon ...) die fahren nicht so viele Kilometer am Tag, wäre alles kein Problem. Kuriere, die mit dem Sprinter von Stadt zu Stadt über die Autobahn fahren, für die ist das nix, weil da der Verbrauch zu schlecht ist und die Strecken zu weit. Aber alles im städtischen Bereich ist ideal. Im Gegensatz zu Verbrennern verbrauchen BEV im Stadtverkehr am wenigsten. War vor einiger Zeit samstags 70 km in Mannheim/Ludwigshafen unterwegs - da war der Verbrauch bei 12 kwh - damit hätte ich eine Reichweite in der Stadt von über 600 km - statt 400 bei Landstraße.
Ich persönlich denke, dass wir schon viel zu lange gewartet haben, die Sache anzugehen. Und wir sehen die Auswirkungen jetzt schon ziemlich deutlich. Die Alpen sind fast schneefrei (sehe ich jeden Tag), Schmelzwasser gibts dieses Jahr nicht viel - der Rhein wird wieder trocken fallen. In Ostdeutschland trocknen die Böden aus, weltweit gibt es eine Unwetterkatastrophe nach der anderen ... das kann man eigentlich gar nicht mehr übersehen. Und ja - auch ich denke, dass das nicht nur menschengemacht ist. Wir sind am Ende einer Eiszeit und dass da die Temperaturen steigen ist normal.
Nur leider steigen sie in einem Maße, was es noch nie gegeben hat - noch nichtmal ansatzweise.
Um noch auf die Schifffahrt zu kommen. Auch das. Und diese Unmengen an Flugreisen (mal bei Flightradar24.com schauen). Da gibts Leute (nicht wenige), die kommen von Australien, USA und ganz Europa an die Ostsee um an einer veganen Kreuzfahrt teilzunehmen, weil das soooo umweltfreundlich ist.

Die meinen das wirklich. Sorry, da fällt mir nichts mehr ein - da kann ich nur mit offenem Mund dastehen und staunen.