Andi hat geschrieben: 10. Apr 2023, 20:05
Ich halte E-Autos in der Menge wie geplant für Schwachsinnig und den Umweltgedanken dahinter für blanken Unsinn.
Kann aber jeder gern ein E-Auto fahren.
Nur ich will es mir nicht aufzwingen lassen und schon gar nicht mit dermaßen blöden Argumenten.
Baut eine Käseglocke über Deutschland oder Europa und schafft die ganzen anderen Verschmutzer ab und ich mach mit.
Inwiefern ist der Umweltgedanke Unsinn? Auch hier denke ich, sind die Informationen einfach nicht aktuell. So war z.B. Harald Lesch (bekannter Physiker) vor einigen Jahren noch total gegen E-Mobilität und hat mittlerweile seine Meinung geändert (z.B.
https://www.youtube.com/watch?v=OtnHAn32Ybc).
Und ja, früher waren E-Autos eigentlich noch völlig unsinnig. Die Akkus waren Sondermüll, die Reichweite eine Katastrophe und eben alles noch mehr Experiment als Real. Aber hätte es niemand angefangen, gäbe es auch keinen Fortschritt. Vor einigen Jahren war es ja noch so, dass ein E-Auto so einen CO2-Rucksack (CO2-Ausstoß bei der Produktion ist höher als beim Verbrenner) hatte, dass sich ein E-Auto erst nach 150.000 Kilometern "amortisierte" und der Akku planmäßig nach 8 Jahren kaputt ist. Und da niemand 150.000 Kilometer in 8 Jahren fährt, lohnt sich ein E-Auto nie. So war die Argumentation. Heute ist das aber schon sehr viel früher. Und 8 Jahre alte Akkus sind selten kaputt. Und außerdem gibt es mittlerweile Firmen, die defekte Zellen finden und tauschen können - kostet in etwa soviel wie z.B eine neue Zylinderkopfdichtung.
Was hört/liest man nicht alles (und wie gesagt - vor einem Jahr war ich auch nicht anders) ...
... die armen Kinder, die die Rohstoffe unter unwürdigen und umweltschädlichen Umständen aus der Erde holen. Ja, stimmt tatsächlich. Aber jeder, der Handys, Laptop, akkubetriebene Werkzeuge, elektrische Zahnbürsten oder andere Dinge mit Akku benutzt oder seiner Frau/Freundin Goldschmuck oder Diamanten kauft, kümmert sich da in Wirklichkeit einen Sch... drum. Nur beim Auto wird diese Argumentation gerne genommen und dabei braucht das Auto nur einen Teil dieser Ressourcen. Und die werden sogar recycled. Und nicht, weil man dazu verpflichtet ist, sondern, weil es sich lohnt. Während Akkus von kleinen Geräten oft im Müll landen und nicht nur nicht recycled werden, sondern auch noch die Umwelt verpesten.
... der Strom muss ja auch produziert werden. Stimmt. Aber von 100 kwh produziertem Strom werden 70 kwh in Bewegung umgesetzt. Beim Diesel sind es ca. 30 kwh und beim Benziner noch weniger.
Und E-Autos können auch das Stromproblem lösen (helfen). Was ist denn das Hauptproblem? Tagsüber gibt es massenhaft Strom, aber wie speichert man den für die Nacht. Autos parken oft über Nacht und stehen nur rum. Deren Akkus könnten als Energiespeicher genutzt werden. Stichwort, wer googlen möchte: Vehicel-to-grid. Kurzform: Kaum jemand braucht die volle Akkukapazität (ich lade z.B. grundsätzlich nur bis 80%, würden wohl sogar 60% reichen). Jetzt sage ich meinem Auto: Ich will 80% im Akku haben. Die Ladesäule lädt aber auf 100% (wenn genügend Strom produziert wird). Wird Strom gebraucht, darf sich das Netz die 20% wieder aus meinem Akku holen. Ist im Moment noch Zukunft, weil die aktuellen Akku-Technologien dafür nicht ideal sind, aber dieses Jahr sollen Natrium-Ionen- und Natrium-Schwefel-Akkus serienreif werden. Damit gibt es weder ein Rohstoffproblem (Salz und Schwefel gibt es massenhaft und überall) und auch die Gewinnung ist unproblematisch - und die Brandgefahr sinkt noch weiter.
Das Hauptproblem bei diesen Akkus ist nicht die Technik, sondern die Energiedichte, weil ja jeder jeden Tag 1.000 km am Stück zur Arbeit fährt - und abends wieder 1.000 km nach Hause. Würden die jetzt Autos rausbringen, die nur 300 km oder weniger am Stück schaffen, gäbe das wieder einen Shitstorm. Aber wie war das nochmal - die gleichen Leute, die das bringen, argumentieren doch gleichzeitig damit, dass man keine 150.000 km in 8 Jahren fährt - wie geht das denn zusammen?
... übrigens sind die Förderer und Raffinierer von Rohöl auch keine Menschen- und Umweltfreunde. Und auch die Herstellung und Verteilung von Diesel und Benzin verbraucht nicht wenig Strom.
... will nicht gezwungen werden. Wurde bei der Einführung von Katalysatoren und bleifreiem Sprit auch gesagt. Das Problem ist eben, dass das verbrennen von fossilien Brennstoffen sehr schlecht für unsere Welt ist. Und wenn der Strom aus Kohlekraftwerken kommt, ist das natürlich nur suboptimal. Wobei man in dem Fall natürlich die Schadstoffe gleich wegfiltern kann, weil es ja nur eine Quelle gibt, bei der es auch nicht auf Platz/Gewicht ankommt. Sprich: Ein Kohlekraftwerk erzeugt bei 1.000.000 kwh weniger Emissionen als 1.000 Autos, die jeweils 1.000 kwh erzeugen.
Viele dieser Gegenargumente sind einfach nicht mehr richtig - oder waren es nie. Es gibt meiner Meinung nach kaum echte Gegenargumente. Es gibt persönliche, wie z.B. Laternenparker oder Viel-Wohnwagenfahrer. Hier sehe ich das tatsächlich auch noch schwierig - nicht unmöglich, aber das wäre auch meine Lästigkeitsschwelle. Aber auch das wird sich verbessern.
Auch die Preise für E-Autos sind nicht mehr deutlich teurer, wenn überhaupt. Je billiger das Auto, desto teurer ist die E-Variante und je teurer das Auto, desto weniger Unterschied. Ein BMW IX3 kostet im Prinzip das gleiche wie der X3. Jetzt schauen bestimmt einige nach den Einstiegspreisen und stellen fest - stimmt nicht. Der Punkt ist, dass die E-Varianten momentan nur in den hohen Ausstattungsvarianten angeboten werden. Wenn ich den Benziner/Diesel so konfiguriere (Leistung, Ausstattung), dass ich ein vergleichbares Auto habe, dann ist der elektrische billiger - selbst ohne Prämie. Und dann haben die eigentlich immer noch Funktionen, die man beim Verbrenner gar nicht kaufen kann. Standheizung vielleicht noch, Standklima ist schon selten - haben aber praktisch alle E-Autos.
Und der Unterhalt ist auch noch dramatisch billiger. Selbst wenn der Strompreis so hoch wäre, dass ich da nichts spare, gibt es weniger Reparaturen, weniger Kosten für Wartung/Inspektion und der gleichen. Selbst bei Dingen, die ich zunächst nicht dazugerechnet hätte. Viele EVs fallen z.B. beim ersten TÜV durch - wegen der Bremsen. Die sind verrostet, weil sie nicht benutzt werden. Einige Hersteller haben mittlerweile extra Systeme, die die Bremse alle paar hundert Kilometer mal betätigen, damit das verhindert wird. Ansonsten muss man das manuell machen. Es gibt einen ModelS-Fahrer (ist aber ein Ausnahmefall, der legt es drauf an und fährt wohl nicht wirklich "normal") der hat nach 900.000 km das erste Mal die Bremsen erneuert (
https://www.youtube.com/watch?v=X-2u2ZusY4s&t=904s - ca. bei 7:20). Ansonsten gibts auch Tests, bei denen z.B. ein Pass runtergefahren wird und unten angekommen, die Bremse komplett kalt, also unbenutzt ist (z.B.
https://www.youtube.com/watch?v=ddVjP91zbZw&t=1474s).
Ich hab ne alte Bohrmaschine - hab ich zur Konfirmation bekommen (schon ne Weile her). Die benutze ich nur noch selten, weil keine Elektronik zum Drehzahlregeln, ist aber meine schnellstdrehende, hab sonst einen Bohrhammer. Die funktioniert immer noch. Ein E-Motor geht nur selten kaputt. Den kann ich jahrelang liegen lassen und dann aus dem Stand mit voller Last laufen lassen - macht dem gar nix. Wenn ein Triumph mal ein paar Monate oder gar Jahre steht, braucht es eine Prozedur um den wieder zu starten und bloß nicht kalt hochdrehen. Oder Diesel und Kurzstrecken ... Für ein E-Auto völlig wurscht wie kurz die Strecke ist.
Ich kann für meinen Teil nicht mehr nachvollziehen, warum viele so verbissen am Verbrenner hängen. Ich kann verstehen, wenn jemand sagt, dass es zu teuer ist. Gibt eben (noch) wenig Gebrauchte und Neuwagen sind immer teuer. Vollstes Verständnis. Aber dann die E-Autos schlecht machen ... warum? Und wenn 2035 Verbrenner tatsächlich verboten werden, dann betrifft das nur Neuwagen-Käufer. Einen gebrauchten Verbrenner kann man dann immer noch kaufen.
Ich fahre den Spitfire sehr gerne. Mit offenem Verdeck, lauter Musik und Sound vom Auspuff, alles vibriert und "lebt" - das hat wirklich was. Aber der Golf IV meiner Frau und auch der X3 haben damit nichts zu tun. Für den Alltag werde ich nicht mehr zum Verbrenner wechseln.