Hinterachse überholen

Alles rund um die hohe Kunst der Schaltakrobatik sowie Instandsetzung der Getriebeeinheit und Achsen
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luft-schiff
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Hinterachse überholen

Beitrag von luft-schiff »

Guten Abend allerseits.

heute habe ich den besten Teil des Tages damit verbracht, mich endlich (!) um meine rechte Bremstrommel zu kümmern- Rückblende: Vor zwei Jahren stellte der TÜV unmittelbar vor der geplanten Winterpause fest, dass ich hinten links keine Bremsleistung hatte. Die schnelle Diagnose ergab einen undichten RBZ. Nur für den TÜV habe ich damals in einer Blitzaktion den RBZ und die Bremsbeläge erneuert ... nur auf der linken Seite:-(, nicht kunstgerecht, aber wirksam: Den TÜV gab es und das Auto konnte wie geplant in den Winterschlaf - Dasselbe habe ich heute nun endlich für die andere Seite nachgeholt.

Bei der Gelegenheit war ich natürlich an der Achse und habe nicht nur festgestellt, dass das rechte Kreuzgelenk ziemlich fertig ist, sondern die Verteilung des Fetts, das nicht mehr im Radlager, sondern vor allem außenrum war, hat auch nahegelegt, dass das rechte Radlager auch schon bessere Zeiten gesehen hat.

Kurz und gut: Ich würde bei Gelegenheit gern die Achse (beide Seiten!) etwas überholen, Radlager, WeDis, Kreuzgelenke und Buchsen soweit möglich und sinnvoll tauschen. Dazu jetzt meine Frage: Im Handbuch werden dazu eine Handvoll Sonderwerkzeuge aufgerufen. Braucht man die wirklich? - Alternativ geistert durch das Forum immer noch eine Sonderanfertigung eines Radflanschabziehers für den Club. Gibt's die noch irgendwo, leihweise oder zu vertretbaren Preisen? Was empfehlt Ihr für die Überholung sonst?

Vielen Dank schon mal und noch eine schöne Woche ... endlich wieder Spiti-tauglich!

Jochen
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Rolf
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Re: Hinterachse überholen

Beitrag von Rolf »

Ohne einen sehr guten Radnabenabzieher geht es nicht. Frag am besten mal Jogi dazu.

Sonst brauchst du meiner Meinung nach kein Spezialwerkzeug für die Überholung der Hinterachse.


Grüße
Rolf
BMW 328 Ci (2000) - Suzuki SV 1000 S (2004) - Triumph Spitfire 1500 (1975) - Yamaha SRX 600 (1988) - Yamaha XJ 900 N (1986)
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wol00f01
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Re: Hinterachse überholen

Beitrag von wol00f01 »

Hydraulisch, preiswert und einfach perfekt, habe den selbst und sehr zufrieden.
https://www.temu.com/goods.html?_bg_fs= ... e_sn=10045
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Rolf
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Re: Hinterachse überholen

Beitrag von Rolf »

wol00f01 hat geschrieben: 6. Aug 2025, 00:17 Hydraulisch, preiswert und einfach perfekt, habe den selbst und sehr zufrieden.
https://www.temu.com/goods.html?_bg_fs= ... e_sn=10045
Damit kannst du du aber nicht die Radnabe eines Triumph Spitfire abziehen.... Oder hast du es damit schon mal geschafft?



Grüße
Rolf
Zuletzt geändert von Rolf am 6. Aug 2025, 14:00, insgesamt 1-mal geändert.
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MKIII
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Re: Hinterachse überholen

Beitrag von MKIII »

Sicher geht es damit :top:
Gruß
Norbert
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wol00f01
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Re: Hinterachse überholen

Beitrag von wol00f01 »

Rolf hat geschrieben: 6. Aug 2025, 10:11
wol00f01 hat geschrieben: 6. Aug 2025, 00:17 Hydraulisch, preiswert und einfach perfekt, habe den selbst und sehr zufrieden.
https://www.temu.com/goods.html?_bg_fs= ... e_sn=10045
Damit kannst du du aber nicht die Radnabe eines Triumph Spitfire abziehen.... :lol: Oder hast du es damit schon mal geschafft? :-vh



Grüße
Rolf
Natürlich habe ich das damit gemacht, sonst würde ich es hier nicht empfehlen! Hat auch den Vorteil, das der Stempel an der Radachse sich nicht dreht, sondern hydraulisch rausgedrückt wird.
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Jogi, HB
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Re: Hinterachse überholen

Beitrag von Jogi, HB »

Die ersten Werkzeuge werden heute noch versendet

Handhabung

Die Mutter mit der Unterlegscheibe die den Flansch hält, von der Achswelle schrauben. Die Bremstrommel aber auf dem Flansch lassen um dem Abzieher eine größere Auflagefläche zu geben. Den Abzieher auf die Bremstrommel (Der Abzieher sollte möglichst plan auf der Bremstrommel aufliegen, u.U. die 2 kleinen Schrauben die die Trommel auf den Flansch halten entfernen) mit den 4 Original-Radmuttern normal festschrauben, dann die Spindel/Schraube in der Mitte mit einem 24er Schlüssel / Nuss fest anziehen. Wenn man diese jetzt richtig fest anzieht löst sich der Flansch (manchmal schon) von der Achswelle. Nun einen kräftigen Hammerschlag auf die Spindel/Schraube geben

Der Flansch löst sich nicht durch den Druck der Schraube/Spindel sondern durch den Schlag

(möglichst gerade auf die Schraube damit sie sich nicht verbiegt) nun nochmals festziehen - bei Bedarf wiederholen. Jetzt sollte sich der Flansch endlich von der Welle lösen.

Hier und da mal einen Tropfen Öl an die Spindel/Schraube und das Werkzeug hält ewig - falls die Spindel/Schraube irgendwann mal aufgibt kann man sie in jedem gut sortiertem Schraubenhandel nachkaufen (Festigkeit min. 10.9).

Adapterplatte

Nachdem der Flansch von der Achswelle gezogen wurde, die Bremse und die Ankerplatte der Bremse vom Radlagergehäuse entfernen. Das Sicherungsblech, das Fettrückhalteblech (Halteblech / Simmering), auch entfernen, so dass nun die Lager zu sehen sind.
Anstelle der Bremsankerplatte wird nun die Adapterplatte vom Abzieher mit den Schrauben der Ankerplatte
geschraubt .
Nun wird der Abzieher mit den 4 M10 Schrauben mit der
Adapterplatte verbunden, so dass jetzt mit der Spindel die Achswelle aus dem Radlagergehäuse gedrückt werden kann.
Es empfiehlt sich, das Radlagergehäuse in einem stabilen Schraubstock einzuspannen, dann kann sich die Achswelle noch im Radlagergehäuse drehen - d.h. die Spindel vom Abzieher sitzt nun direkt auf der Welle und dreht diese langsam aus den Lagern.
Nachdem die Achswelle aus den Lagern gedrückt wurde, kann man die Lager nun vorsichtig (mit einem Schraubenzieher, Dorn und einem Hammer) aus dem Lagergehäuse herausbekommen.

Führungsdorn

Nachdem nun die Radlager aus dem Lagergehäuse heraus geholt wurden, geht es darum das neue Nadellager exakt 12,7mm in das Gehäuse zu bekommen.

Das dass Radlagergehäuse, das Werkzeug, sowie der Arbeitsplatz im sauberen Zustand befinden soll muss nicht extra erwähnt werden

Das Nadellager wird mit Fett auf den Führungsdorn geschoben (ohne Scheibe), dann wird das Werkzeug mit einem Schraubstock bis zum Anschlag in das Radlagergehäuse eingepresst, wenn der Führungsdorn herausgezogen wurde, sitzt das Lager genau wo es hingehört. Jetzt wird die Scheibe auf den Führungsdorn, dann der Simmering aufgesetzt und wieder in das Lagergehäuse gepresst.
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luft-schiff
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Re: Hinterachse überholen

Beitrag von luft-schiff »

Guten Abend,

habt erst mal alle vielen Dank für die Antworten!

Dank der tollen Beschreibung von Jogi kann ich mir auch gut vorstellen, wie das mit den abgebildeten Werkzeugen klappen kann. Aber an der Stelle vielleicht nochmal die naive Frage: Wie komme ich an die Teile ran? - Wenn Du die noch hast und abgeben möchtest, schreib' mir doch gern eine PN! - Ich glaube, das könnte ich mir zum Geburtstag schenken:-)

Habt einen schönen Abend und

beste Grüße vom wieder sonnigen See

Jochen
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kamphausen
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Re: Hinterachse überholen

Beitrag von kamphausen »

luft-schiff hat geschrieben: 6. Aug 2025, 23:20Ich glaube, das könnte ich mir zum Geburtstag schenken:-)

Habt einen schönen Abend und

beste Grüße vom wieder sonnigen See

Jochen
Dann gönn Dir auch direkt ordentliche TIMKEN Lager von der Spitfirescheune:

https://www.spitfirescheune.com/Differe ... swellen_s3

Peter
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Jogi, HB
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Re: Hinterachse überholen

Beitrag von Jogi, HB »

luft-schiff hat geschrieben: 6. Aug 2025, 23:20 Guten Abend,

habt erst mal alle vielen Dank für die Antworten!

Dank der tollen Beschreibung von Jogi kann ich mir auch gut vorstellen, wie das mit den abgebildeten Werkzeugen klappen kann. Aber an der Stelle vielleicht nochmal die naive Frage: Wie komme ich an die Teile ran? - Wenn Du die noch hast und abgeben möchtest, schreib' mir doch gern eine PN! - Ich glaube, das könnte ich mir zum Geburtstag schenken:-)

Habt einen schönen Abend und

beste Grüße vom wieder sonnigen See

Jochen
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